Alexandra Engen ist in der Hitze von Haifa ein „cooles“ Rennen gefahren. „Cool“ im Sinne von kühl, überlegt, abgeklärt. Schon morgens um 9 Uhr Ortszeit, beim Start des U23-Rennens der Damen, kratzte die Quecksilbersäule an der 30-Gradmarke, Schatten gibt es auf dem 6,9 Kilometer langen Kurs ohnehin nur sehr spärlich.
Alexandra Engen blieb „cool“, als die Polin Paula Gorycka in der ersten von vier Runden nach vorne preschte, die Deggendorferin Mona Eiberweiser ihr folgte. Gemeinsam mit der wohl am höchsten eingeschätzten Tanja Zakelj, Kathrin Stirnemann und Rothaus-Cube-Teamkollegin Barbara Benkó verharrte sie in der Verfolgergruppe.
Eiberweiser büßte durch einen Defekt alle Chancen ein und zu Beginn der zweiten Runde war Gorycka wieder eingeholt. Dann stürmte Stirnemann nach vorne und fuhr 30 Sekunden Vorsprung heraus. Auch da blieb Engen erst mal noch ruhig.„Ich wollte wegen der Hitze nicht zu schnell beginnen und habe deshalb abgewartet. Ich versuchte aber den Abstand nach vorne nicht zu groß werden zu lassen. Das hat ganz gut geklappt“, sagte Engen zu ihrer Taktik.Erst zu Beginn der dritten Runde machte sie die Leinen los. Schnell distanzierte sie Zakelj, die zu diesem Zeitpunkt als einzige Begleiterin verblieben war. Binnen zwei Kilometern egalisierte sie den Rückstand auf Stirnemann. Die Schweizerin wehrte sich zwar energisch, doch in der letzten Runde hatte sie gegen Alexandra Engen nach eigener Aussage „keine Chance mehr.“
Die Vorjahres-Silbermedaillengewinnerin fuhr das Rennen souverän zu Ende und überquerte nach 1:27:45 Stunden mit 34 Sekunden Vorsprung auf Stirnemann und 2:01 Minuten vor Zakelj die Ziellinie. „Ich bin so glücklich, dass der Plan aufgegangen ist. Jahrelang habe ich das Ziel verfolgt einen Titel zu gewinnen und jetzt hat es endlich geklappt. Ich wusste, dass ich hier eine Medaille gewinnen kann, aber einen Sieg kann man nicht planen“, sagte sie strahlend und gar nicht mehr „cool“ in der Interview-Box für die Medaillengewinner und goss sich Wasser über den Kopf.
Nach Silber- und Bronzemedaillen war das nicht nur der erste internationale Titel für Alexandra Engen, sondern auch die erste internationale Medaille für das Team Rothaus-Cube überhaupt.Benkó zufrieden mit Rang fünfIhre Teamkollegin Barbara Benkó stand ein paar Meter weiter, freute sich für Engen und war mit sich selbst auch im Reinen. „Top fünf habe ich geschafft.“ Gerne hätte sie ihren vierten Platz, den sie bis eingangs letzte Runde noch inne hatte gegen die Britin Annie Last noch verteidigt, doch da waren die Kräfte aufgebraucht. „Da hat mich die Hitze kaput gemacht, obwohl ich das doch sonst sehr gut verkrafte. Ich konnte nicht mehr kämpfen“, erklärte sie. Und in der ersten Runde sei sie völlig unnötig gestürzt. Mehr gab es aber nicht zu hadern. Rang fünf mit 3:01 Minuten Rückstand auf ihre Teamkollegin, damit hatte sie ihr persönliches Ziel erreicht.