Gemeinsam mit Markus Schulte-Lünzum ging Felix Euteneuer auf die letzten 4,6 Kilometer. Der drittplatzierte Marcel Fleschhut lag 25 Sekunden zurück und hatte Probleme mit einer nicht funktionierenden Federgabel. Am Streckenrand wurde getippt wer von den Beiden wohl 15 Minuten später zum neuen Deutschen U23-Meister gekürt werden würde. Schulte-Lünzum wurde von Zuschauern, Experten und Trainern deutlich häufiger genannt, weil Felix Euteneuer offensichtlich völlig an seinem körperlichen Limit operierte.
Rothaus-Cube-Team-Manager Patrik Faller saß in Zielnähe mit dem Funkgerät in der Hand und wartete auf die letzte Nachricht aus der Technischen Zone. Immer wieder drückte er den Knopf und sprach ins Funkgerät. Mehr aus Nervosität denn aus Notwendigkeit. „Wahrscheinlich macht es Schulte-Lünzum“, sagte er und biss sich auf die Zähne. Das war aber in Wirklichkeit nur der Versuch sich selbst die Spannung zu nehmen.
„Er hat drei, vier Sekunden“, knarzte es dann aus dem Gerät. „Ja, wer denn?“, blaffte Faller zurück. „Felix hat drei, vier Sekunden Vorsprung“, kam es zurück.
Fallers Gesichtszüge entspannten sich, aber er schob gleich ein „das ist nicht viel“ hinterher.
Als Felix Euteneuer auf der Brücke vor der Zielgerade erschien, waren Jubelschreie zu vernehmen. Schulte-Lünzum war ein paar Sekunden dahinter zu sehen, aber dem Rothaus-Cube-Biker war der lang ersehnte Titel nicht mehr zu nehmen. Trainer Toni Uecker war völlig aus dem Häuschen und empfing seinen Schützling mit einer heftigen Umarmung.
„Ich hätte nicht gedacht, dass ich das schaffe. Ich hatte von Anfang an zu kämpfen, um in der Spitzengruppe zu bleiben. Als dann immer mehr Leute abgeplatzt sind, hat mich das immer mehr motiviert“, sagte Euteneuer als er sich im Ziel wieder erholt und sich von seinen größten Emotionen befreit hatte. So war sein Sieg letztlich eine Frage des Willens.
„Felix kann sich unglaublich quälen“, hatte Trainer Toni Uecker schon immer gesagt.
Eine fünfköpfige Spitzengruppe hatte sich auf den sieben Runden über 4,6 Kilometer immer mehr verkleinert. Erst fiel Mitfavorit Markus Bauer zurück, dann musste auch der überraschend starke Matthias Leisling abreißen lassen. Schließlich konnte auch Marcel Fleschhut sein Handicap nicht mehr kompensieren. Ab der sechsten Runde lagen der Rothaus-Cube-Biker und der MiG-Fahrer alleine an der Spitze.
Den letzten Anstieg nutzte Euteneuer zu einem Antritt, den Schulte-Lünzum als „gewaltig“ bezeichnete. „Bis dahin haben wir uns taktisch belauert, keiner hat sich vorher getraut zu attackieren. Am letzten Anstieg wusste ich, jetzt oder nie, und habe alles in die Pedale geworfen. Heute hatte ich das Quäntchen Glück, das man braucht“, erzählte Euteneuer.
Nach 32,2 Kilometer und 1:41:02 Stunden hatte er fünf Sekunden Vorsprung auf den Konkurrenten aus Haltern. Fleschhut hatte als Dritter 58 Sekunden Differenz.
Felix Euteneuer erzählte dann noch eine kleine Anekdote. Die Silbermedaille von St. Märgen 2008 würde seit zwei Jahren an der Schranktür hängen. Damals hatte er in einer ähnlich knappen Entscheidung den U23-Titel verpasst. „Ich habe immer gesagt, die bleibt da bis es eine Goldene gibt. Jetzt ist es so weit.“ Auf die Frage wo die dann die Goldmedaille ihren Platz finden würde, meinte Euteuneuer mit einem breiten Grinsen im Gesicht: „Die hänge ich an die Haustür.“
Für Felix Euteneuer war es der erste Deutsche Meistertitel in seiner Karriere und er beschloss für Rothaus-Cube ein sehr erfolgreiches Wochenenende in der Solestadt.